YI JIN JING 

Stärkung von Muskeln, Sehnen und Bändern

Wie heute angenommen wird, geht der Ursprung von Yi Jin Jing auf Übungen zur Stärkung von Muskeln, Sehnen und Bändern aus schamanistischen Ritualen des archaischen Zeitalters Chinas zurück. Bereits im Han Shu (Geschichte der Han-Dynastie), die vor fast 2000 Jahren von Ban Gu u.a. verfasst wurde, existieren Beschreibungen über diese Art von Übungen. In dem Brokatbild "Dao Yin Tu" (Die Illustration zum Leiten und Führen von Qi), das 1973 bei der Ausgrabung des Grabes aus der Zeit der Westlichen-Han-Dynastie (206-24 v. Chr.) "Ma-Wang-Dui" in der chinesischen Provinz Hunan gefunden wurde, konnten mehr als 40 Illustrationen als Prototyp der Basisbewegungen der heutigen Yi-Jin-Jing-Übung identifiziert werden.

Heute gilt der Gründer der buddhistischen Chan-Schule und der Initiator der tiefen Meditation "Dhyana" - der indische buddhistische Mönch Bodhidharma, der im Jahre 526 in Chinas berühmtem Shaolin-Kloster ankam, - auch als Entwickler der Qigong-Übungsform Yi Jin Jing. Den Legenden nach haben die Mönche des Shaolin-Klosters zur Entwicklung von Yi Jin Jing wesentlich beigetragen. Bei Dhyana meditierten die Shaolin-Mönche lange in ruhiger Sitzstellung. Eintönige und langdauernde Meditation kann den Körper jedoch schwächen. Deshalb wurde nach der Dhyana-Übung die Shaolin-Kampfkunst trainiert, um den Körper nach der Meditation zu lockeren.

Während der Tang- (618-907) und der Song-Dynastie (960-1279) wurden die Übungen sukzessiv perfektioniert. Eine Reihe von Werken über Yi Jin Jing entstanden in der Song-Zeit, in denen auch daoistische Philosophie mit der Übung verschmolzen wurde. Seit der Ming-Dynastie (1368 -1644) wurden die Übungen in China auch außerhalb der Klöster populär. Sie nehmen heute in den zahlreichen traditionellen Qigong-Übungen eine wichtige Rolle ein.

Die älteste Abhandlung über die modernen, aus 12 Positionen einer Bewegungsreihe bestehenden Übungen, befinden sich in den Illustrationen für innere Übungen , die im Jahre 1858 der Qing-Dynastie von Pan Wei verfasst wurde, siehe Grafik unten.

Neben körperlichen Bewegungen spielt die mentale Mitführung eine wichtige Rolle zur Reinigung und Öffnung der Energiebahnen. Durch Dehnung- und Streckungsbewegungen wird wechselnde Anspannung und Entspannung der Muskulatur und Gelenksehnen sowie Drehung, Biegung und Streckung der Wirbelsäule gezielt erzeugt. Dabei kann auch die Muskulatur der Bereiche des Nackens, der Schultern, des Rücken und der Arme gestärkt und Muskelblockaden gelöst werden. Deshalb ist Yi Jin Jing nicht nur für Liebhaber der Kampfkunst sondern auch ideal für alle, die viel Zeit am Schreibtisch verbringen.

Die Übungen des Yi Yin Ying

  1. Wei Tuo Xian Chu Yi (Wei Tuo präsentiert den Stab I )
  2. Wei Tuo Xian Chu Er (Wei Tuo präsentiert den Stab II)
  3. Wei Tuo Xian Chu San (Wei Tuo präsentiert den Stab III)
  4. Zhai Xing Huan Dou (Einen Stern pflücken und austauschen gegen den großen Bären)
  5. Dao Zhuai Jiu Niu Wei (Neun Kühe an ihren Schwänzen ziehen)
  6. Chu Zhua Liang Chi (Die Krallen zeigen und die Flügel ausbreiten)
  7. Liu Gui Ba Ma Dao (Neun Geister ziehen ihre Schwerter)
  8. San Pan Luo Di (Drei Teller fallen zu Boden)
  9. Qing Long Tan Zhao (Der schwarze Drache zeigt seine Krallen)
  10. Wo Hu Pu Shi (Der Tiger stürzt sich auf seine Beute)
  11. Da Gong (Sich zum Gruß tief verbeugen)
  12. Diao Wei (Mit dem Schwanz wedeln)